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Kilimanjaro 2001 Teilnehmer: Martin Höck, Michael Ilmberger, Michael Spitzweg (Autor) Vorgeschichte: Es war wohl mal wieder einer unserer berühmter Abende, der für diese Idee verantwortlich war, und wenn einmal ein solches Hirngespinst in unseren Köpfen herumschwirrt, dann wird auch an der Umsetzung gearbeitet. So holten wir am Anfang des Jahres die ersten Erkundigungen und Angebote ein. Ziemlich schnell stellten wir fest, dass im Internet schon eine Vielzahl von Reiseberichten existieren und so verbrachten wir einige Zeit im Netz, um über die verschiedenen Routen und eventuelle Veranstalter mehr zu erfahren. Schnell war klar, dass eine organisierte Reise durch einen deutschen Reiseveranstalter zu teuer sein wird und wir deshalb lieber alles selbst vor Ort organisieren. Bei der Route waren wir uns schnell einig. Wir entschieden uns für die Machame-Route, da die erstens nicht so überlaufen ist und zweitens eine Zelttour uns lieber ist. Außerdem trifft man auf dieser Route eher auf Bergsteiger, da hier im letzten Anstieg ein kleines bisschen bergsteigerische Erfahrung notwendig ist. Als Reisezeit entschieden wir uns für die Zeitraum nach der langen Regenzeit in Tanzania, da die Temperaturen zu dieser Zeit uns geeignet erschienen. Also suchten wir einen Flug nach Tanzania. Tja, das klingt leichter als es ist. Die billigen Flüge waren alle ausgebucht und die anderen waren ganz schön teuer. Da fiel uns die Alternative ein, nach Nairobi zu fliegen und von dort aus mit dem Bus nach Moshi oder Arusha zu fahren. Die Flüge nach Nairobi sind wesentlich billiger, zumindest auf den ersten Blick. Also fanden wir einen Flug für den 18.07 und den Rückflug am 04.08.2001. Christine, eine gute Freundin, buchte uns die Flüge und die zugehörigen Reservierungen. Bis zum Abflug war noch einiges zu erledigen. Wir erkundigten uns nach den verschiedenen notwendigen Impfungen und ließen uns impfen. Auf die Cholera-Impfung haben wir dann verzichtet, nachdem wir sogar von offizieller Stelle die Auskunft bekamen, dass man sich dagegen auch "selbst" impfen kann. So haben wir uns halt dann gegenseitig geimpft. Auch die nötigen Visa haben wir uns schon in Deutschland besorgt, um möglichen Schwierigkeiten vor Ort aus dem Weg zu gehen. Wir zitterten schon Wochen vorher dem Abflug entgegen und trafen uns regelmäßig zum Stammtisch, um Einzelheiten zu besprechen und das Gepäck abzustimmen, damit wir möglichst wenig doppelt mitnahmen. Und so kam dann der ersehnte Tag.... 18.07.2001 - Abflug nach Nairobi - Um 4.00 Uhr treffen wir uns bei Michi und fahren dann mit der S-Bahn zum Flughafen. Nach dem Einchecken und einer kleinen Stärkung im Cafe Treffpunkt, besuchen wir noch Christine, die uns kurz vor dem Abflug zum Gate begleitet. Der Abflug nach Amsterdam, der Drehscheibe für exotische Reiseziele, verzögert sich, da sich noch ein illegaler Einwanderer in unserer Maschine versteckt hat. Aber gegen 07.15 Uhr kann es endlich losgehen. Um 08.30 Uhr landen wir in Amsterdam und um 11.15 Uhr geht es weiter Richtung Nairobi. Nach einem anstrengenden Flug, weil die Sitze viel zu eng sind, landen wir um 20.15 Uhr (Ortszeit) endlich in Nairobi. Die Abwicklung am Flughafen geht reibungslos und schnell. Auch das Gepäck ist nach ein paar Minuten schon da und so brauchen wir noch schnell einen kleinen Handbestand an Kenianischen Schillingen, um nicht gleich ausgetrickst zu werden. So jetzt geht es vor die Tür. Da stehen schon jede Menge Leute, die einem gleich einen Kompletturlaub verkaufen wollen. Wir gehen gleich zu den Taxis und fahren zum Hotel Embassy ins Zentrum. Dort hatte ich per e-mail ein Zimmer für drei Personen reserviert. Doch siehe da, es gibt nur ein Doppelzimmer und ein Einzelzimmer. Wir nehmen die Zimmer, beschließen aber aus Sicherheitsgründen zu dritt im Doppelzimmer zu schlafen. Also verbarrikadieren wir uns im Zimmer und versuchen zu schlafen. 19.07.2001 - Fahrt nach Moshi - So eine Busfahrt macht wirklich Spaß... Nach einer eher ungemütlichen Nacht ist jeder von uns froh, als es endlich halb sieben ist und wir aufstehen. Danach gehen wir gleich zur Rezeption, um uns nach der Fahrt nach Moshi zu erkundigen. Dort werden wir schon von Dennis empfangen, der uns zum Bus bringen will, um die fällige Provision auch gleich abzukassieren. Also folgen wir Dennis und sind froh, dass wir nicht allein durch die Strassen Nairobis gehen müssen. Unser Weg führt zum Panafrica-Haus, wo das Büro von Savuka Tours ist. Neben Busfahrten kann man hier auch gleich komplett die ganze Tour bzw. auch eine Safari o.ä. buchen. Anfangs ist das Büro noch nicht besetzt, so müssen wir etwas warten bis jemand kommt. Dann kommt auch schon die angebliche Managerin Joyce, die mich und Michi gleich zu einem Beratungsgespräch bittet. Martin bleibt vor der Tür und unterhält sich mit den verschiedenen Leuten, um Kontakte zu knüpfen. Wenig später erfahren wir, dass er sogar Kennedy kennen gelernt hat. Die Namen der Leute klingen schon etwas komisch und wie sich später herausstellen wird, werden wir noch interessante Leute kennen lernen. Einmal in den Klauen eines kenianischen Verkäufers entscheiden wir vor Ort gleich die ganze Tour zu buchen. Kurze Zeit später geht es schon los. Rein in den Bus und ab zum Flughafen. Dort laden wir noch 15 Leute dazu und weiter geht es Richtung Staatsgrenze. Im Bus werden schon die Grenzformalitäten vorbereitet. Auch einer Frau aus Moshi, die zum Arbeiten in Berlin war, bin ich behilflich, da sie weder schreiben noch lesen kann. Die Ausreise aus Kenia klappt an der Grenze reibungslos und auch die Einreise nach Tanzania macht keine großen Probleme. Bei der Gepäckkontrolle bekommt jeder noch ein Kreidekreuz auf sein Gepäck und dann kann es weiter gehen. Martin nimmt schon erste Kontakte mit den Straßenverkäuferinnen auf, die sich immer ihn als "Opfer" aussuchen. Aber noch können wir alle den Angeboten widerstehen. Weiter geht es über die endlos scheinende Strasse nach Arusha, wo wir am Forumhotel in ein Gatter fahren, um uns die aufdringlichen Verkäufer vom Hals zu halten. Nach einer halben Stunde Pause geht die Fahrt Richtung Moshi weiter. Nach einer Stunde sind wir auch schon dort und die lange Fahrt hat ein Ende. Halt noch nicht ganz, ein Taxi bringt uns zum Springland Hotel, das so weit draußen liegt, dass man sich gar nicht vorstellen kann, dass in dieser Gegend noch ein Hotel kommen kann. Aber das Hotel überrascht uns sehr. Es ist sehr schön und hat sogar einen Pool. Moshi: Das ist ja ganz schön weit ab vom Schuss!
Um 17.00 Uhr erfahren wir noch Einzelheiten zu unserer Route und die allgemeinen Hinweise für die Besteigung. Nach dem Abendessen und einer Flasche Rotwein verabschieden wir uns früh, um für den geplanten Aufstieg am nächsten Tag fit zu sein. 20.07.2001 - Machame Route 1.Tag : Machame Gate - Machame Hut Schon früh stehen wir auf, um pünktlich zur Abfahrt fertig zu sein und das ganze Gepäck zu verstauen. Nun lernen wir auch unseren Guide kennen. Sein Name ist Steven und er ist im Gegensatz zu uns eher klein und schmächtig, aber er macht dafür einer sehr zähen Eindruck. Dann fahren wir insgesamt fast 2 Stunden durch Moshi bis wir alle Träger zusammengesammelt haben. So dann geht es Richtung Machame-Gate (2000 m). Kurz erledigen wir am Gate die nötigen Formalitäten. Unser Gepäck übernehmen nun unsere Träger. Wir tragen nur noch das nötige Tagesgepäck und die Notfallausrüstung. Am Gate bieten sich noch viele als Träger an und riskieren dafür sogar, einen Schuss mit der Steinschleuder des Oberaufsehers abzubekommen. So nun geht es aber wirklich los. Noch kurz ein Bild, aber dann schnell..... Nein! Pole!Pole! Bild: Machame Gate Zuerst geht es zwei Stunden auf einer Art Forststrasse langsam nach oben. Nach einer Mittagspause geht es nun etwas steiler nach oben. Gegen 16:30 Uhr erreichen wir die Machame Hut, eine kleine Blechhütte mit Campingplatz. Etwas später kommen auch unsere Träger und beginnen die Zelte aufzubauen. Wir tragen uns ins Hüttenbuch ein und trauen unseren Augen nicht. Gestern waren hier zwei Aschheimer und ein Ismaninger (Nachbarorte unserer Gemeinde Unterföhring). Als ich dann die Namen lese, muss ich wirklich laut lachen, weil der eine schon mit mir zusammen schon in der Bank gearbeitet hat und ich auch schon hin und wieder mit ihm Schafkopf gespielt habe. So klein ist auch die Welt in Afrika! Beim Kochen des Abendessens stellt unser Koch fest, dass der Gaskocher kaputt ist. Steven schickt einen Träger, obwohl es schon dunkel ist, runter nach Moshi, um einen neuen zu holen. Der Träger soll dann am nächsten morgen wieder zu uns stoßen und uns auf dem Weg zur Shira Hut einholen. Unser erstes Lager an der Machame Hut Puh, ist es hier schon kalt! Nach einem sehr guten Abendessen bei Kerzenschein gehen wir recht zeitig ins Bett, weil es draussen schon sehr unangenehm kalt ist.
21.07.2001 - Machame Route 2.Tag : Machame Hut -Shira Hut(ca.3800m) Die Nacht ist sehr kalt und so mancher (Höcki!) isst aus Langeweile gleich mal einen seiner zwei Powerriegel als Ablenkung vor der Kälte auf. Um 06:30 Uhr stehen wir dann auf und jeder freut sich schon auf die ersten Sonnenstrahlen, um wieder ein bisschen Wärme zu tanken. Die Stimmung ist gut, jawohl! Nach dem Frühstück und dem ersten Kontakt mit Poretsch, einem afrikanischen Frühstücksbrei, geht es dann gegen 9:00 Uhr los Richtung Shira Hut. Zuerst führt der Weg noch durch leichten Wald, aber schon nach einer Stunde geht es mehr und mehr zu felsigen und sandigen Untergrund über. Nach dem Mittagessen über schönem Ausblick über das Shira Plateau, gehen wir allein voraus, weil Steven und Duman noch aufräumen und dann nachkommen. Der Weg ist sehr schön und nach einer weiteren Stunde kommen wir gegen 14:00 Uhr an der Shira Hut an. Zu unserer Verwunderung sehen wir dieses Mal keine Hütte, sondern nur eine kleine Höhle, bei welcher Getränke gekauft werden können und auch das Hüttenbuch geführt wird. Nach einer Viertelstunde kommen auch Steven und die ersten unserer Träger an. Wir kaufen gleich mal ein paar Bier (Safari is Safari), um Steven und Duman beim Zeltaufbau zu motivieren;-) Pole, Pole.... Bild: Shira Hut Zeltaufbau Bild: Höcki´s Zelt! Kurze Zeit später gibt es auch schon wieder Popcorn. Das Popcorn soll anscheinend immer die Zeit bis zum Abendessen überbrücken. Schon vor dem Abendessen wird es wieder sehr kalt und wir sind froh, als wir nach dem Abendessen wieder in unsere Schlafsäcke schlüpfen können. Wir lesen noch lange in unseren Reiseführern und versuchen dann zu schlafen. Höcki ließ sich noch eine Kanne Tee kochen und darum hören wir auch öfter, wie er plötzlich in der Nacht sein Zelt öffnen muss. 22.07.2001 - Machame Route 3.Tag: Shira Hut - Lava Tower (ca.4500m) Wieder gegen halb sieben stehen wir auf, weil die Kälte nicht mehr auszuhalten ist und unsere Körper einfach etwas Bewegung brauchen. Auch Martin ist schon wieder einige Zeit draußen, um sich bei einem Spaziergang etwas aufzuwärmen. Nach einem ausgiebigen Frühstück geht es um 9.00 Uhr wieder los. Wir sind die letzten, die das Lager verlassen, aber schon nach einer halben Stunde holen wir die ersten ein. Bis zur Mittagspause holen wir dann alle ein und so gönnen wir uns einige Höhenmeter unterhalb des Lava Towers eine ausgiebige Mittagspause mit einem kleinen Mittagsschlaf. Zum Essen gibt es eine Art Fleischpflanzerl. Wir wundern uns nur wo das Hackfleisch herkommt, aber man muss ja nicht alles wissen. Plötzlich kommt Steven zu uns, um die genaue Route zu besprechen. Eigentlich ist geplant, über die Barranco Hut und Barafu Hut auf den Gipfel zu steigen. Steven ist allerdings der Meinung, dass es keinen Sinn macht, einen solchen Umweg zu gehen, wenn wir auch direkt über die Arrow Hut gehen könnten. Nach kurzer Diskussion gehen wir auf diesen Vorschlag ein. Die klassische Machame-Route hat uns schon zuhause gereizt und so sind wir von dieser Idee auch sehr angetan, weil wir uns so außerdem von den anderen Bergsteigern absetzen könnten. Steven schlägt zuerst vor, gleich noch zur Arrow Hut aufzusteigen und morgen schon zum Gipfel zu gehen. Das ist uns aber dann doch zu krass, weil wir sowieso noch einen zusätzlichen Akklimatisationstag gebucht haben. So beschließen wir, am Lava Tower zu übernachten und morgen bis zur Arrow Hut aufzusteigen. Wir gehen also nur noch ca. 20 Minuten bis knapp unter den Lava-Tower und suchen uns ein windgeschützte Stelle für unser Camp. Bis die Träger unser Zelt aufbauen machen wir uns alleine auf den Weg zu Lava-Tower. Ein schöner Fels! Von dort können wir schön auf unseren Lagerplatz runterblicken. Direkt neben unserem Lager hat eine kanadísche Gruppe ihr Lager aufgeschlagen. Unser Lager wirkt gegen das kanadische eher jämmerlich, aber schon bald erfahren wir, dass hier auch ein kleiner Preisunterschied ist. Schließlich wollten wir auch keine 3000 $ für die Besteigung bezahlen. Weil das Wetter sehr ungemütlich wird und es auch noch zu graupeln beginnt, verziehen wir uns gleich nach dem Ausflug zum Lava-Tower in unser Zelt. Das Abendessen gibt es auch bei uns im Zelt, weil es draußen eher winterlich wird. Auch an diesem Abend versuchen wir schon früh einzuschlafen, weil es mir erstens nicht gut geht und wir uns außerdem eh nur im Zelt aufhalten können. Das ist unser Ziel! 23.07.2001 - Machame Route 4.Tag: Lava Tower - Arrow Hut (ca.4900m) Erst gegen halb neun frühstücken wir und in Absprache mit Steven gehen wir erst um 10:45 Uhr los, weil zu dieser Zeit nämlich die Sonne weg ist und wir durch die Bewegung nicht weiter auskühlen. Der kurze Aufstieg von zwei Stunden macht uns keine Probleme. Mein Kopfweh allerdings schon eher. So nehme ich eine Kopfwehtablette, um wenigstens schmerzfrei zu sein. Den Nachmittag verbringen wir im Zelt, weil es uns draußen einfach zu kalt ist. Mensch, ist es hier kalt! Wegen der Kälte streichen wir auch den gebuchten Akklimatisierungstag und wollen schon morgen zum Gipfel hoch. Also gehen wir um kurz nach 18:00 Uhr schlafen bzw. wir versuchen zu schlafen. Auch Martin kommt nach einiger Zeit zu uns ins Zelt, weil es allein im Zelt einfach viel zu kalt wird. Auch die Schuhe kommen in dieser Nacht mit in den Schlafsack. Nach ein paar Stunden, in denen wir nur so daliegen und uns Gedanken machen, über das was uns in den nächsten 24 Stunden bevorsteht. Es ist eine Mischung aus Freude und Angst. 995 Höhenmeter bis zum absoluten Glücksgefühl. 24.07.2001 - Machame Route 5.Tag: Arrow Hut - Uhuru Peak (5895m) - Eye-Camp Gegen 01.30 Uhr stehen wir auf und packen unsere Rucksäcke. Schlafen kann eh keiner mehr vor Aufregung. Nach ein paar Keksen und einer Tasse Tee geht es los. Jetzt pack ma´s! Michis und auch meine Stirnlampe bringen wirklich gutes Licht. Das Licht unseres Guides ist eher schwach. Aber gemeinsam können wir doch den Weg erkennen. Martin muss sich leider nur wenige Meter vom Lager entfernt übergeben und beschließt für sich, nicht hoch zu steigen, sondern mit den Trägern runter zu gehen. Wir gehen weiter. Die ersten 300 Höhenmeter sind eher einfach, obwohl man das bei dieser Höhe nie behaupten kann. Danach geht es dann ordentlich zur Sache. Der Weg wird schwieriger und etwas schlecht zu erkennen. Aber das ist nicht mein größtes Problem, denn bei 5500m macht sich auf einmal innerhalb weniger Minuten die Höhe bemerkbar und ich muss mich mehrmals übergeben. Ich denke schon an den Abbruch, aber in diesem Klettersteig ist es nicht erlaubt abzusteigen und so quäl ich mich langsam (nein, noch langsamer) mit Dumans Unterstützung hoch bis zum Kraterrand. Michi geht es besser, aber wie ich später erfahren werde, ist er der Erschöpfung auch ziemlich nahe. Leider sind wir zum Sonnenaufgang erst knapp unter dem Kraterrand, aber ich hab momentan andere Sorgen. Gegen 07:45 Uhr erreichen wir den Kraterrand und ich bin ziemlich erleichtert, weil ich nun einen sehr leichten Weg absteigen könnte. Kraterrand geschafft! An den Gipfelanstieg denke ich jetzt nicht, weil ich mich fühl, als würde ich in Kürze einen Herzinfarkt erleiden. Michi versucht mich umzustimmen und so entscheide auch mich dafür, die letzte Stunde zum Gipfel zu gehen. Der Weg dort rauf ist sehr leicht und man könnte zu jeder Zeit umdrehen. Das stimmt mich trotz meines hammermäßigen Kopfwehs zuversichtlich. Eine Stunde lang dauert die Qual und dann stehen wir endlich um 08:55 Uhr auf Afrikas höchstem Berg. Irgendwie ist es ein sehr beeindruckendes Gefühl, obwohl ich diesen Augenblick eigentlich nicht richtig genießen kann, ab er es ist geschafft und wir haben uns einen Lebenstraum erfüllt. Nach einer Viertelstunde Erholung und ein paar Bildern beginnen wir mit dem Abstieg. Hier einige Bilder vom Gipfel: Der Weg runter ist sehr leicht und führt zunächst über ein Schneefeld und schon bald auf ein Geröllfeld, das uns bis zur Barafu Hut führt. Auf dem ganzen Abstieg kann man zum Gilmans Point und zum Mawenzi blicken. Wir sehen sehr schön die Marangu Route und sind froh, über die Machame Route gegangen zu sein. Aber im nachhinein lässt sich das auch leicht sagen. Gegen 13:00 Uhr machen wir dann Mittagspause. Hungrig sind wir nicht, aber etwas erschöpft. Schließlich gehen wir ja schon fast 11 Stunden. Dann geht es weiter zur Barafu Hut, wo wir dann auch wieder alte Weggefährten treffen, die erst morgen den Gipfelaufstieg unternehmen werden. Unser Ziel ist das relativ neue Eye-Camp, das ca. zwei Stunden unterhalb der Barafu Hut liegt. Dort kommen wir gegen 16:00 Uhr an und wundern uns, warum Martin noch nicht hier ist. Wie sich herausstellt ist Martin direkt über die Umbwe Route bis zum Umbwe Gate gegangen und dann zum Hotel in Moshi gefahren, weil er keine Lust auf eine weitere kalte Nacht im Zelt hat. Juhu, geschafft! Steven schlägt uns vor, auch gleich noch abzusteigen. Aber weitere 4 Stunden gehen sind uns einfach zu viel und so entscheiden wir uns für die Übernachtung am Eye-Camp. Nach 14 Stunden Bergwanderung und ein paar Bierchen können wir auch in dieser Nacht besser schlafen. 25.07.2001 - Machame Route 6.Tag: Eye-Camp - Mweka Gate Es bleibt nur noch ein kurzer Blick zurück! Das war´s! Erst gegen 08:00 Uhr wachen wir an diesem Tag auf. Nach dem Frühstück und dem üblichen Tipping des Teams brechen wir auf. Es geht schnell abwärts und schon nach einer guten Stunden kommen wir zur Mweka Hut. Auch dort sind schon alle aufgebrochen. Ab jetzt wird der Weg immer batziger. Zeitweise geht uns der Schlamm bis zu den Knien. Diese Schlammschlacht muss anscheinend zum Abschluss noch sein. Nach insgesamt knappen 4 Stunden kommen wir zum Gate. Dort warten schon einige Jungs, um uns die Schuhe zu waschen. Wir wollen zuerst die Schuhe selbst waschen, aber es ist nicht möglich, weil die Jungs einfach nicht von unseren Schuhen lassen können. Also geben wir halt doch einen Dollar aus und lassen uns die Schuhe waschen. Hier am Gate erhalten wir nun unsere Urkunden. Neben den Gipfelbildern ist dies wohl der wichtigstes Nachweis, dass man wirklich am Uhuru Peak stand. Klick mich!!! Nach den üblichen Formalitäten am Gate fahren wir mit einem Jeep zurück nach Moshi. Dort rufen wir noch kurz zuhause an und sagen Bescheid, dass alles gut gegangen ist, und dann geht es zum Hotel. Dort wartet schon Martin auf uns. Wir erfahren gleich, dass auch er den Trägern schon ein Trinkgeld geben musste und wir also insgesamt zu viel gegeben haben. Wir fordern daraufhin gleich was von Steven zurück, der natürlich nichts mehr hergeben will. Das kann aber unsere Freude über die Besteigung und der Tatsache, dass es uns allen gut geht, nicht trüben und so feiern wir an diesem Abend sehr ausgiebig und bis ungefähr Mitternacht. Die nächsten zwei Tage verbringen wir im Hotel und relaxen am Pool. Auch wegen des Trinkgeldes unternehmen wir noch mal was. Nach einer Reklamation beim Tour-Operator bekommen wir 100 $ zurück. Das haben wir nicht erwartet. So, und nun geht es zurück nach Nairobi.....
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